Warum
Eine Faustregel, die wie ein Rechenergebnis aussieht
Der größte Schaden entsteht nicht durch eine Analyse, die fehlt. Er entsteht durch eine Faustregel, die aussieht wie eine Rechnung. Wer einmal merkt, dass ein entschiedenes „du hättest folden müssen" auf einer Daumenregel beruhte, glaubt danach auch den exakten Zahlen nicht mehr.
Deshalb trägt bei uns jede Aussage ein Etikett. Nicht als Kleingedrucktes, sondern gleich daneben, in derselben Zeile. Du siehst auf einen Blick, ob eine Zahl feststeht oder ob sie auf einer Annahme ruht, die du selbst gesetzt hast.
Eine Zahl ohne Herkunft ist keine Information, sondern eine Behauptung.
Der Spagat
Zwischen Solver-Abend und Bauchgefühl
Ein Solver ist ein großartiges Werkzeug — und ein teures. Nicht nur im Abonnement: Jeder einzelne Spot will definiert, mit Ranges bestückt, gerechnet und dann interpretiert werden. Für eine Hand ist das ein Abend. Für die zwölf Hände, über die du dich diese Woche geärgert hast, ist es keine realistische Option.
Die Alternative ist meistens gar nichts. Man denkt kurz nach, zuckt mit den Schultern und spielt weiter.
Dazwischen liegt eine große Lücke — und die füllen wir. Denn ein erheblicher Teil dessen, was du wissen willst, braucht überhaupt keinen Solver:
Wofür ein Solver unersetzlich bleibt
- Die Gleichgewichtsstrategie postflop — welche Hände in welcher Frequenz bluffen, wie eine Range über drei Streets aufgeteilt wird.
- Spots, in denen es auf die exakte Bet-Größe ankommt.
- Tiefe Studienarbeit an einem einzelnen Baum.
Wofür du keinen brauchst
- Der Preis eines Calls. Das ist Arithmetik — sie steht fest, in Sekunden.
- Die Preflop-Range für deine Position. Das ist Nachschlagen.
- Was ICM aus deinem Stack an der Bubble macht. Rechenbar, nicht schätzbar.
- Wie oft ein Gegner folden müsste, damit dein Bluff sich rechnet.
- Ob dein Stack dich in eine Zone bringt, in der Warten teuer wird.
Das ist der Spagat: Wir liefern in Minuten, was in Minuten zu liefern ist — und sagen dir bei allem anderen offen, dass es eine Näherung ist. Ein Näherungswert, der sich als solcher zu erkennen gibt, ist brauchbar. Einer, der sich als Wahrheit ausgibt, ist gefährlich.
Die Skala
Fünf Einstufungen, von gerechnet bis gesetzt
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Geschlossene Arithmetik. Das Ergebnis steht fest und ändert sich auch beim tausendsten Nachrechnen nicht.
Pot-Odds und benötigte Equity · MDF und Alpha · SPR · ICM bis sieben Spieler · Equity ab dem Turn, wo sich alle Karten durchzählen lassen.
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Eine Schätzung aus vielen Zufallsdurchläufen — und daneben steht, wie genau sie ist. Nicht „ungefähr 47 %", sondern „47,3 % ± 0,4".
Equity vor dem Flop und am Flop, wo zu viele Kartenfolgen möglich sind · ICM ab acht Spielern.
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Kein eigenes Rechenergebnis, sondern ein Nachschlagen in hinterlegten Solver-Ranges. Verlässlich für die Lage, für die sie gerechnet wurden — und dafür steht dabei, welche das war.
Der Preflop-Abgleich: Was die Referenz an deiner Position mit deiner Hand macht.
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Eine Heuristik, kein Solver-Ergebnis — als Richtung zu lesen, nicht als Urteil. Solche Befunde sagen deshalb nie „das war falsch", sondern „das spricht dafür, dass".
Anpassungen der Range an Stacktiefe, Straddle, Ante oder Gegnertyp · die Harrington-Zonen.
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Beruht auf etwas, das du gesetzt hast — oder auf einer Vorgabe, die du jederzeit ändern kannst. Das ist keine Schwäche, sondern die ehrlichste Stelle der ganzen Analyse: Die Unsicherheit steht dort, wo sie hingehört.
Die angenommene Range deines Gegners · bestätigte Deutungen seiner Spielweise · Mitspieler, deren Karten nicht modelliert werden.
Die Reihenfolge ist keine Notenskala. Eine Solver-Referenz ist nicht „schlechter" als eine exakte Rechnung, sondern etwas anderes: das Nachschlagen einer fremden Rechnung statt einer eigenen. Was von links nach rechts abnimmt, ist die Nachprüfbarkeit — nicht die Nützlichkeit.
Die unbequeme Seite
Manchmal sagen wir gar nichts
Es gibt Situationen, für die keine belastbare Grundlage vorliegt. Ein 4-Bet-Spot etwa, oder Heads-up, oder die Verteidigung gegen eine Eröffnung außerhalb der Blinds. Dort könnten wir eine Range aus einer ähnlichen Lage heranziehen und ein Schild danebenstellen.
Tun wir aber nicht. Denn manchmal rettet ein Etikett den Satz nicht mehr: In einer Range, die für einen ganz anderen Spielverlauf gerechnet wurde, bedeutet dieselbe Angabe schlicht etwas anderes. Ein falscher Satz mit einem Schild davor bleibt ein falscher Satz.
In diesen Fällen wird deine Hand trotzdem vollständig erfasst, und alles, was ohne Range rechenbar ist — Pot, Preis, benötigte Equity —, wird weiterhin gerechnet. Nur die Bewertung deiner Aktion bleibt aus, und die App sagt dir, warum.
Erfasst wird alles. Ausgewertet nur, wofür es eine belastbare Grundlage gibt.
Die Bedienung
Vier Fragen bis zum ersten Befund
Eine Hand einzugeben soll sich nicht wie eine Steuererklärung anfühlen. Deshalb gibt es eine harte Obergrenze: Bis zur ersten verwertbaren Aussage sind es höchstens acht Fragen. In der Praxis reichen vier.
- Spielform und Tischgröße — Cash oder Turnier, 6-max, 9-max oder heads-up.
- Deine Position — und, wenn du magst, deine Stacktiefe.
- Was vor dir passierte — gefoldet, gelimpt, erhöht. Bei einem Raise auch von wem und auf wie viel.
- Deine Karten und deine Aktion — danach steht der erste Befund.
Alles Weitere ist freiwillig. Durchschnittsstack, Gegnertyp, Straddle, die Karten am Board — jede zusätzliche Angabe schaltet etwas frei, und die App sagt dir vorher, was. Keine davon ist Pflicht.
„Weiß ich nicht" ist überall eine gültige Antwort
Wer sich an eine Hand von gestern Abend erinnert, weiß seine Karten und ungefähr den Pot — aber selten den Chip-Average. Ein Dialog, der an dieser Stelle blockiert, wäre wertlos.
Deshalb kannst du überall grobe Bereiche angeben statt exakter Zahlen. Sagst du „irgendwas zwischen 30 und 60 BB", rechnet die App an beiden Enden. Kommt zweimal dasselbe heraus, steht der Befund. Kippt er, sagt sie dir, wo genau er kippt — und hebt genau diese Frage nach oben. Aus einer Erinnerungslücke wird so eine gezielte Nachfrage statt eines Ausfalls.
Nachschlagen
Die Begriffe, die in den Befunden vorkommen
Kurz erklärt, mit der Formel dort, wo eine steht. Nichts davon musst du auswendig können — die Apps rechnen es für dich. Aber wer weiß, was er da liest, entscheidet besser.
Preis und Gleichgewicht
- Equity
Der Anteil des Pots, der deiner Hand gehört, wenn alle restlichen Karten kämen und niemand mehr foldet. 40 % Equity heißt: in vier von zehn Fällen gewinnst du.
- Pot Odds — der Preis
Was du gewinnen kannst, im Verhältnis zu dem, was du zahlen musst. „4,3 zu 1" heißt, der Pot zahlt das 4,3-fache deines Einsatzes.
- Benötigte Equity — Break-Even-Equity
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Der Anteil, ab dem ein Call gerade nicht mehr verliert. Darunter kostet er, darüber bringt er.
benötigte Equity = Call ÷ (Pot nach dem Call)Pot 3 BB, Call 1 BB → 1 ÷ 4 = 25 %.
- MDF — Minimum Defence Frequency
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Wie viel deiner Range du mindestens weiterspielen musst, damit eine Bet des Gegners nicht schon allein dadurch profitabel wird, dass du zu oft foldest.
MDF = Pot ÷ (Pot + Bet)Eine Gleichgewichtsgröße, keine Vorschrift für die einzelne Hand: Gegen jemanden, der nie blufft, darfst du sie ruhig unterschreiten.
- Alpha
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Wie oft dein Gegner folden muss, damit sich ein Bluff allein durch das Folden rechnet. Das Gegenstück zur MDF — beide ergeben zusammen immer 100 %.
Alpha = Bet ÷ (Pot + Bet)Halbe Pot-Bet → Alpha 33,3 %, MDF 66,7 %.
- SPR — Stack-to-Pot Ratio
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Wie viel Spielraum die Hand noch hat. Ein niedriger SPR heißt: Es geht schnell um den ganzen Stack.
SPR = verbleibender Stack ÷ PotBis 3 ist die Hand schnell fürs Commitment reif — ein Top-Paar reicht dort oft. Ab 6 bleibt Spielraum über mehrere Streets, und Implied Odds wiegen schwerer als der reine Preis.
- Implied Odds
Die Erweiterung der Pot-Odds um das, was du später noch gewinnen kannst, wenn deine Hand trifft. Rechtfertigt Calls, die nach reinem Preis knapp verlieren — setzt aber voraus, dass genug Stack übrig ist und der Gegner auch zahlt.
Turnier
- M
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Wie viele Umläufe du dir leisten kannst, ohne eine Hand zu spielen. Misst den Zeitdruck.
M = Stack ÷ (Small Blind + Big Blind + Ante) - Harrington-Zonen
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Zone M Grün ab 20 voller Spielraum Gelb 10–19 Spekulatives wird teuer Orange 6–9 Push-or-Fold rückt näher Rot 1–5 im Wesentlichen Push-or-Fold Dead unter 1 nur noch die Blinds abwarten Ein Raster für den Handlungsdruck — deshalb immer als Faustregel gekennzeichnet.
- Q
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Dein Stack im Verhältnis zum Durchschnitt aller verbliebenen Spieler. 1,0 heißt genau Durchschnitt, 0,5 die Hälfte, 2,0 das Doppelte.
Q = Stack ÷ DurchschnittsstackM und Q messen Verschiedenes: M sagt, wie lange du warten kannst. Q sagt, wo du im Feld stehst. Sind alle tief, hast du bei M 8 vielleicht trotzdem ein Q von 1,5.
- ICM — Independent Chip Model
Rechnet Chips in Preisgeld-Erwartung um. Der Kern: Im Turnier sind Chips nicht linear wertvoll. Der gewonnene Chip bringt weniger, als der verlorene kostet — weil Ausscheiden das Preisgeld auf null setzt. ICM macht diesen Unterschied sichtbar.
- chipEV und $EV
Der Erwartungswert einmal in Chips, einmal in Preisgeld. Im Cash Game dasselbe; im Turnier driften sie auseinander — und genau das ist die Einsicht. Ein Call kann in Chips gewinnen und in Preisgeld verlieren. Deshalb stehen bei Turnieren immer beide Zahlen nebeneinander.
- ICM-Druck
Um wie viele Prozentpunkte du unter ICM mehr Equity brauchst als nach der reinen Chip-Rechnung. Je näher der nächste Auszahlungssprung, desto höher.
- Bubble · ITM · Pay-Jump
Die Bubble ist die Phase kurz vor den bezahlten Plätzen — dort ist der ICM-Druck am größten. ITM heißt, ein bezahlter Platz ist erreicht. Ein Pay-Jump ist der Sprung zur nächsthöheren Auszahlung.
Ranges und Postflop
- Range
Alle Hände, die dein Gegner in dieser Situation haben kann — nicht eine einzelne. Gegen diese Menge zu spielen statt gegen eine Vermutung ist der eigentliche Sprung im Denken.
- Combo — Kombination
-
Eine konkrete Zwei-Karten-Kombination. Eine Handklasse steht für mehrere davon.
Paar 6 · suited 4 · offsuit 12 · zusammen 1.326 - Gemischte Aktionen
Manche Hände werden nicht immer gleich gespielt, sondern mit einer Frequenz — etwa „in 60 % der Fälle erhöhen". Im Raster zeigt die Deckkraft einer Zelle, wie oft: kräftig heißt häufig, blass heißt selten.
- Card Removal und Blocker
Jede bekannte Karte verkleinert die Möglichkeiten der anderen. Hältst du selbst ein Ass, sind nur noch drei übrig — die Chance, dass dein Gegner Asse hat, sinkt. Eine Karte, die genau das blockiert, was du fürchtest, heißt Blocker.
- Die Filterkette
Postflop schrumpft die gegnerische Range Schritt für Schritt — und du siehst jeden Schritt einzeln, mit Begründung, und kannst ihn einzeln zurücknehmen. Automatisch angewandt wird nur, was zwingend ist: entfernte Karten und eine gezeigte Hand. Alles, was eine Deutung ist, schlägt die App vor und wendet es erst nach deinem Tippen an.
- Dead Money
Chips im Pot von Spielern, die nicht mehr mitspielen. Sie erhöhen, was du gewinnen kannst, ohne dass jemand sie noch verteidigt.
- Trockenes und nasses Board
Ein trockenes Board bietet wenige Draws, ein nasses viele. Auf nassen Boards ändern sich Ranges schneller — und Fehler kosten mehr.
Aktionen und Positionen
- Die Positionen
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Kürzel Name UTG Under the Gun handelt vor dem Flop als Erster LJ · HJ Lojack · Hijack mittlere Plätze CO Cutoff direkt vor dem Button BTN Button nach dem Flop immer als Letzter dran SB · BB Small · Big Blind die Zwangseinsätze Heads-up ist die Ausnahme: Dort handelt der Small Blind vor dem Flop zuerst und danach zuletzt — genau umgekehrt zum vollen Tisch.
- RFI und vsRFI
RFI („raise first in") heißt: Alle vor dir haben gefoldet, du eröffnest. vsRFI heißt: Jemand hat vor dir eröffnet, und du entscheidest, ob du mitgehst.
- 3-Bet und 4-Bet
Die Blinds zählen als erste Bet. Die Eröffnung ist damit die zweite, die Re-Raise darauf die 3-Bet, die nächste die 4-Bet.
- Limp und Isolation
Limpen heißt, nur den Big Blind zu bezahlen statt zu erhöhen. Eine Isolations-Erhöhung zielt darauf, mit dem Limper allein zu bleiben.
- Straddle
Ein freiwilliger Blind-Einsatz vor dem Austeilen, meist doppelter Big Blind. Er vergrößert die Pots und macht alle Stacks — in Big Blinds gerechnet — flacher.
- Effektiver Stack
Der kleinere der beiden beteiligten Stacks. Mehr kann in einer Hand nicht verloren oder gewonnen werden — deshalb bezieht sich alles Stack-Abhängige darauf.
- Solver und GTO
Ein Solver berechnet eine Strategie, gegen die kein Gegner einen Vorteil findet — das GTO-Gleichgewicht. Das ist nicht „die beste Antwort auf diesen Gegner", sondern die Grundlinie, die sich nicht ausnutzen lässt.
- Exploit
Die bewusste Abweichung vom Gleichgewicht, um eine Schwäche eines konkreten Gegners auszunutzen. Bringt mehr als GTO, wenn deine Einschätzung stimmt — und kostet, wenn nicht. Deshalb immer als Faustregel gekennzeichnet.
Grenzen
Was wir nicht sind
Wir sind kein Solver. Es gibt in der Suite keine Gleichgewichtsstrategie für die Zeit nach dem Flop, und wir tun auch nicht so. Was postflop gemessen wird, heißt deshalb ausdrücklich „EV-Verlust gegen die angenommene Range" — nie „Abweichung vom perfekten Spiel". Der Unterschied ist keine Wortklauberei: Die eine Aussage hängt an einer Annahme, die du gesetzt hast, die andere behauptet eine absolute Wahrheit.
Wir berechnen keinen Spielertyp aus wenigen Händen. Kennzahlen wie VPIP stabilisieren sich erst nach mehreren hundert Händen. Eine Prozentzahl aus sieben Beobachtungen wäre Rauschen mit Nachkommastellen — und sähe trotzdem aus wie eine Messung.
Und wir versprechen keinen Gewinn. Wir versprechen, dass du nach einer Analyse weißt, welche deiner Entscheidungen einen Preis hatte — und wie sicher diese Aussage ist.
RANGE//REF Poker Strategy Suite. Die hier beschriebenen Einstufungen gelten in allen Apps der Suite; welche davon eine App verwendet, hängt davon ab, was sie unterscheiden kann — ein Etikettensystem mit mehr Stufen, als eine App wirklich trennt, wäre selbst wieder eine Unschärfe.